Büttenpapier und seine Herstellung

Büttenpapier und seine Herstellung

Bei Büttenpapier handelt es sich um Papier, welches ursprünglich in Papiermühlen mit einem Sieb per Hand aus der Bütte geschöpft wurde, daher der Name. Die Bütte ist ein hölzerner Bottich, in dem ein wässeriger Brei (Wasseranteil bis zu 99%) aus zerkleinerten Hadern, das sogenannte Ganzzeug, angemischt wurde. Als Hadern werden allgemein nicht-holzhaltige Faserstoffe wie Baumwolle, Leinen oder Hanf bezeichnet. Früher stammten diese aus alten Kleidungsstücken, die von Lumpensammlern eingesammelt und zur Papiermühle gebracht wurden, heute aus Abfällen der Textilindustrie. Wegen der Holzfreiheit dieser Stoffe sind die daraus gewonnenen Papiere alterungsbeständig und vergilben nicht.

Nachdem das Sieb mit dem darauf liegenden Formatrahmen in das aufgewühlte Fasergemisch getaucht wurde, wird es behutsam mit einer Schöpfbewegung aus der Bütte herausgehoben. Mit vorsichtig kreisenden Bewegungen werden die feinen Fasern verfilzt, während der Großteil des Wassers durch das Sieb abläuft. Im Anschluss wird das das Schöpfsieb vorsichtig auf einem angefeuchteten Filz, das auf der (manchmal abgerundeten) Oberfläche des sogenannten Gautschbocks liegt, aufgedrückt und damit das empfindliche, nasse Blatt vom Siebgitter gelöst. An dieser Stelle ist bereits auch der charakteristische Büttenrand zu erkennen, der entsteht, wenn der Formatrahmen nach dem Schöpfen vom Siebgitter genommen wird. Um diesen faserigen, dünnen Rand später beim Zerteilen der teilweise sehr großen Bögen zu imitieren, werden Büttenpapiere oft auch entlang einer befeuchteten Knickstelle gerissen anstatt geschnitten. Die nun untenliegende Filzseite, auch Schönseite genannt, ist die glattere und später besser zu bearbeitende Seite. Die andere Seite bezeichnet man als Siebseite, die – wie der Name schon sagt – auf dem Schöpfsieb gelegen hat und somit eine schwache Gitterstruktur „eingeprägt“ hat. Eine Prägung der Siebseite kann teilweise auch erwünscht sein, nämlich wenn der Papiermacher ein Wasserzeichen in das Papier einarbeiten möchte. Dazu werden Motive oder Zeichen aus Draht oder dünnem Blech auf das Sieb aufgenäht, was dazu führt, dass das Papier an diesen Stellen dünner und somit lichtdurchlässiger wird. Im Gegenlicht ist das Wasserzeichen dann gut erkennbar. Nachdem genügend Filz-Papier-Lagen auf dem Gautschbock übereinandergelegt worden sind, wird das überschüssige Wasser in einer Presse aus dem Stapel gedrückt und anschließend die einzelnen Blätter zum Trocken über eine Leine gehängt.

Für Drucktechniken wie den Linolschnitt ist Büttenpapier nicht nur wegen seiner Optik interessant, sondern auch wegen seiner saugenden Eigenschaft. Das Papier wird in der Regel - im Gegenteil zu industriell gefertigten Papieren - gar nicht oder nur sehr schwach geleimt, deswegen kann die ölhaltige Buchdruckfarbe besonders gut aufgenommen und eine „lackartige“ Farbschicht vermieden werden. Eine weitere Eigenschaft von Büttenpapier ist, dass es nassgemacht werden kann, ohne dass es sich auflöst oder sich beim Trocknen zu sehr wellt. Das ist besonders beim Tiefdruck (wie etwa dem Kupferstich) wichtig, bei dem das Papier für die bessere Aufnahme der Farbe aus den feinen Rillen befeuchtet werden muss.

 

buettenpapier
Verschiedene Sorten handgeschöpften Büttenpapiers, gut zu erkennen ist der unregelmäßige Büttenrand.

 

Zu guter Letzt sollte erwähnt werden, dass Büttenpapier - besonders das handgeschöpfte - nicht nur irgendein Träger für Farbe ist. Vielmehr ist es im wahrsten Sinne des Wortes ein besonderer Stoff, der alles andere als alltäglich ist und den wahrscheinlich die wenigsten schon bewusst in Händen gehalten haben. Zu kaufen gibt es dieses früher als alternativlos geltende Papier heute nur noch im Kunstfachhandel, was sich auch im Preis niederschlägt: Für einen großformatigen Bogen hochwertigen und schweren Büttenpapiers kann man beim Discounter schon mal 5 Packen A4-Druckerpapier erwerben.

 

- Joachim Engl