Die richtige Farbe für den Linoldruck

Die richtige Farbe für den Linoldruck

Für Hochdruckverfahren gibt es grundsätzlich zwei Arten von Farben: Wasserbasierte und Ölbasierte Farben.

Wasserbasierte Farben haben den Vorteil, dass sie für den Druck leichter handzuhaben sind. Das heißt sie haben bereits die richtige, temperaturunabhängige Konsistenz, trocknen schnell und die Arbeitsmittel können schnell und einfach gereinigt werden. Dem gegenüber steht allerdings der Nachteil geringerer Sättigung, Chrominanz (Leuchtkraft) und Deckkraft, die zum einen aus der beschränkten Auswahl verwendbarer Pigmente, zum anderen aus der geringeren Bindung der Pigmente durch verwendeten wasserlöslichen Bindemittel resultieren.

Das Mittel der Wahl für kräftige, satte Druckergebnisse sind also die ölbasierte Hochdruckfarben, deswegen konzentriert sich dieser Artikel überwiegen darauf. Zwar fallen unter diese Kategorie auch die ähnlich zusammengesetzten Offset-Druckfarben (die durchaus auch für den Linoldruck Verwendung finden), dennoch lege ich den Fokus hier auf die klassischen Buchdruckfarben, so wie sie früher z.B. für den Buchdruck verwendet wurden und heute noch bei Künstlern verwendet werden. Ölhaltige Druckfarben dürfen aber nicht mit herkömmlichen Ölfarben für die Malerei verwechselt werden, da diese aufgrund ihrer Beschaffenheit für den Druck nicht geeignet sind - dazu später mehr.
Zunächst wollen wir uns die Zusammensetzung einer hochwertigen Buchdruckfarbe ansehen. Im Wesentlichen setzen sich die Farben aus zwei Komponenten zusammen:

  • Pigment; Darunter versteht man die grundlegende Substanz, die einem Stoff seine Farbe verleiht. Es ist dabei wichtig zu wissen, dass Pigment sich nicht im Anwendungsmedium löst, sondern ein unlöslicher (oft kristalliner) Feststoff ist, der in gewünschter Stärke zerrieben werden muss und bei feiner Vermahlung nur den Eindruck von Löslichkeit erweckt. Ein bekanntes Beispiel für Pigment ist (industrieller) Ruß, der nach wie vor das Pigment mit höchstem Schwärzungsvermögen ist und in hochwertigen Farben verarbeitet ist.
  • Bindemittel; Um das Pigment in eine geschmeidige und haftende Masse zu verwandeln, braucht es ein Medium, das den Pigmentstaub bindet und selbst möglichst farblos ist. Hierzu empfiehlt sich bei Druckfarben zu Firnis eingekochtes Leinöl. Daraus ergibt sich auch die Zähigkeit der Druckfarbe gegenüber normaler Ölfarbe, die Leinöl in seiner reinen Form enthält.

Des Weiteren können noch Harze verschiedener Art sowie Trocknungsstoffe, sogenannte Sikkative, hinzugegeben werden. Ist die Farbe zu zäh (eigentlich: „kurz“; abgeleitet von der fehlenden Eigenschaft der Farbe, im freien Fall lange Fäden zu ziehen), so sollte sie durch Hinzugabe von Bindemittel geschmeidiger gemacht, sprich „verlängert“ werden. Niemals verwenden sollte man Lösungsmittel wie Terpentin, da diese das Ölgebinde zerstören und die Druckbarkeit sowie saubere Aushärtung der Farbe beeinträchtigen.

An diese Stelle sei nochmal von der Verwendung herkömmlicher Ölfarben für den Druck abzuraten: Das natürliche, unverkochte Leinöl bindet die Farbe in sich nur sehr schwach, man spricht von einer niedrigen Kohäsion. Das Führt dazu, dass die Farbe nicht in ausreichendem Maße von der Farbwalze auf die Druckplatte und anschließend von der Druckplatte auf das Papier übertragen werden kann, die Farbe ist also zu „dünn“ und hinterlässt keine ausreichend deckende Schicht. Ein weiteres Problem ist, dass das Papier das flüssige Leinöl ansaugt. Das führt zum einen dazu, dass dem Pigment das Bindemittel entzogen wird und zum anderen, dass sich Fettränder um die Farbflächen bilden.

Die richtige Konsistenz der Druckfarbe ist Übungssache, dabei spielt auch die Raumtemperatur eine Rolle: Je wärmer der Raum, desto fließfähiger das Öl und damit länger die Farbe.

Was die Trocknungszeit angeht, braucht ölhaltige Farbe wesentlich länger als wasserlösliche Farben. „Trocknen“ ist hierbei auch der falsche Begriff, vielmehr härten Ölfarben aus. Denn während bei Farben auf Wasserbasis das Lösungsmittel „Wasser“ verdunstet und die Farben damit fest werden, kann bei ölbasierten Farben keine Verdunstung stattfinden. Das Festwerden der Farben ist auf die Eigenschaften des Leinöls zurückzuführen: Leinöl enthält ungesättigte Fettsäuren, an die sich im Laufe der Zeit unter Vorhandensein von Licht der Sauerstoff aus der Luft bindet und damit für eine Vernetzung der Moleküle sorgt - sprich das Leinöl erstarrt und härtet aus.

Soweit also ein Einblick in die Welt der Druckfarben und hoffentlich ein wenig Verständnis dafür, dass es sich bei der Farbwahl lohnt, etwas genauer hinzusehen.

-    Joachim Engl