Der Linolschnitt

Der Linolschnitt

Geschichte


Den Ursprung des Linoldrucks, auch Linolschnitt genannt, ist im Holzschnitt zu suchen. Dabei handelt es sich um ein sogenanntes Hochdruckverfahren, das heißt es werden die Erhabenen stellen eines Druckstocks oder einer Druckplatte eingefärbt und abgedruckt. Genau andersherum funktioniert das Tiefdruckverfahren, zu denen beispielsweise die Radierung zählt. Daneben gibt es noch den Flachdruck (z.B. Lithografie) und das Durchdruckverfahren, welches beim Siebdruck Anwendung findet.

Bereits Babylonier und Ägypter haben Hochdruckverfahren eingesetzt, indem Sie mittels Holzstempel Grafiken in Ton abgedruckt haben. Mit der Erfindung des Papiers im ersten Jahrhundert n. Chr. wurde durch dieses neue Trägermaterial die Grundlage für den eigentlichen Holzschnitt gelegt, welcher aber erst ab etwa 1400 vor allem für die Vervielfältigung künstlerischer Inhalte seine weitere Verbreitung fand.
Als 1860 das (Natur-)Linoleum - ein Gebinde aus Korkmehl, Leinölfirnis und Harz auf Jutegewebe - erfunden wurde, fand es überwiegend als Fußbodenbelag Verwendung. Ab etwa 1910 entdeckten Künstler das günstige und gut zu bearbeitende Material für sich, ebenso wegen seiner charakteristischen Druckeigenschaften. Durch die satten Farben und deren scharfe Abgrenzungen findet vor allem der mehrfarbige Linolschnitt besonders als Alternative zur expressionistischen Malerei großen Anklang.


Anfertigung und Druck einer Glückwunschkarte


Zu diesem Abschnitt gibt es in Kürze eine kleine Bilderstrecke


Die Arbeitsschritte von der leeren Linolplatte bis zur fertig gedruckten Klappkarte laufen bei einem einfarbigen Linolschnitt, z.B. bei der Erstellung einer Trauerkarte, folgendermaßen ab: Zu Beginn der Bearbeitung kann das Motiv auf die Platte skizziert werden (Achtung dabei: der Druck nachher zeigt ein spiegelverkehrtes Ergebnis!). Dieses wird dann in der Regel mit aus der Holzbearbeitung bekannten Schnitzwerkzeugen, nämlich Hohleisen (U-förmig) und Geißfuß (V-förmig) verschiedener Größen, sowie Schneidewerkzeugen aus dem Linoleum herausgearbeitet. Hierbei ist stets die Verletzungsgefahr durch die scharfen Werkzeuge zu beachten, deswegen sollte immer vom Körper weg geschnitten und zum Schutz der anderen Hand ein japanisches Schneidebrett verwendet werden.

Nachdem die nicht zu Druckenden Stellen herausgeschnitten worden sind, kann der erste Druck folgen. Ich selbst verwende für diesen Probedruck wasserlösliche Linoldruckfarben, da Vorbereitung und Reinigung der Materialien sowie die Trocknung des Druckes wesentlich schneller vorangehen. Daraufhin lassen sich noch Korrekturen vornehmen, bevor man mit den ölbasierten Buchdruckfarben an das (teure) Druckpapier und damit an die eigentliche Produktion geht. Der Vorteil der Buchdruckfarben gegenüber wasserbasierten Farben sind beim Linoldruck vor allem die sehr deckenden, satten Farben. Die Kunst dabei ist, diese in ihrer Grundform sehr zähen, fast Teerartigen Farben mit Zusätzen in die Richtige Konsistenz zu bringen. Dabei spielen Raumtemperatur, das Material des Druckstocks (hier: Linoleum) und Papierbeschaffenheit eine entscheidende Rolle. Die Farbe wird nun mit einer Gummiwalze gleichmäßig auf die Druckplatte aufgetragen und darauf dann das Papier gelegt. Grundsätzlich kann andersherum auch die Linolplatte auf dass Papier gelegt werden (Stempeldruck), allerdinge eignet sich diese Verfahren nicht für den Handdruck. Grundsätzlich kann auf jedes Papier - oder weiter gefasst - auf jeden Bedruckstoff gedruckt werden, sehr gute Ergebnisse liefern aber ungeleimte Papiere mit einem hohen Hadern- oder Baumwollfaseranteil, weil diese saugend wirken und die Farbe besonders gut aufnehmen können. Für den Druckvorgang selbst gibt es nun zwei Möglichkeiten: Entweder per Hand oder mit der Druckerpresse. Der Handdruck (z.B. mittels Falzbein) empfiehlt sich, wenn man ein „unsauberes“ Druckergebnis mit nicht vollständig abgedruckten Flächen erzielen möchte oder wenn eine Druckplatte aus einem sehr weichen Material wie Kautschuk besteht. Der Nachteil liegt darin, dass durch das Reiben mit dem Druckwerkzeug das Papier sehr beansprucht wird bzw. dicke Papiere (Karton) nicht mit ausreichend Druck auf den Druckstock gepresst werden können.
Damit habe ich indirekt bereits die Vorteile des Drucks mit der Kniehebel- oder Walzpresse verraten: Sauber und gleichmäßig gedruckte Flächen und die Möglichkeit, dickeres Papier zu bedrucken. Man sollte lediglich darauf achten, dass der Druck nicht zu hoch ist, da ansonsten feine Stege brechen können und die Druckplatte damit ruiniert wäre.
Der fertige Druck muss nun noch trocknen und kann - wie im Falle einer Grußkarte - anschließend noch zugeschnitten und gefalzt werden.

 

- Joachim Engl